Textilveredlung

 

Textilveredlung ist das Weiterverarbeiten der Rohware durch Ausrüstung und Veredlung zur Fertigware (nadelfertige Ware).

Um textile Rohwaren gebrauchstüchtiger, farbiger und schöner zu machen, muss bzw. sollte die Rohware weiterverarbeitet werden. Die Bearbeitungsvorgänge sind abhängig von:

·       Rohstoff

·       Warencharakter ( Optik, Griff, Fall)

·       Trageeigenschaft (Knitterneigung, Pillbildung)

·       Tragekomfort (Elastizität oder Schweißtransport etc.)

·       Pflegeeigenschaften (schmutzabweisende Ausrüstung, Filzfreiausrüstung etc.)

·       Verwendungszweck und der Mode

Textilveredlungsverfahren:

·       Chemische Verfahren: 

        Bleichen, Färben, Karbonisieren, Merzerisieren, Fleckenschutz- und Filzfreiausrüstung, Hochveredlung und              Transparentieren.

·       Mechanische Verfahren: 

        Rauen, Schmirgeln, Ratinieren, Scheren

·       Mechanisch- thermische Verfahren: 

        Walken, Krumpfen, Dekatieren, Kalandern, Gaufrieren, Moirieren

Vor der Textilveredlung muss das zu veredelnde Material vorbehandelt werden. Wichtige Vor-/Zwischen und Nachbehandlungsverfahren sind:

1.    Sengen: 

       Abstehende Faserenden werden weggebrannt, indem die textile Fläche an Gasflammen oder Infrarotstrahler              vorbeigeführt wird. Man erhält eine glatte Oberfläche und ein klares Warenbild.

2.    Waschen (wachstumsbedingte Verunreinigungen werden entfernt) :

·       Beuchen (Abkochen in Lauge): Ist das Entfernen von Wachsen und Fetten aus der Baumwolle

·       Entschlichten: Hilfsstoffe (Schlichtemittel) die zuvor für das Verarbeiten des Rohstoffs (Weben, Stricken,                    Wirken) verwendet wurden werden von Verunreinigungen befreit

·       Wollwäsche: Wollfett und Schmutz werden schonend aus der Wolle entfernt

·       Entbasten: Der Seidenleim wird durch Seifenbäder aus der Seide entfernt     

3.    Merzerisieren: 

       Behandlung von Baumwollgarnen und -stoffen mit kalter Natronlauge im gespannten Zustand. Der                             Faserquerschnitt wird rund, dadurch erhält die Ware einen waschbeständigen Glanz, bessere Färbbarkeit, einen       weichen, voluminösen Griff und eine höhere Reißfestigkeit.

4.    Bleichen und optisch Aufhellen:

       Die vorhandenen natürlichen Färbungen der Naturfasern werden durch das Bleichen beseitigt, dadurch kann die     Ware in hellere Farbtöne gefärbt oder bedruckt werden. Beim optischen Aufhellen werden die Naturfasern mit   Chemikalien behandelt, wodurch mit Hilfe des Tageslichts ein weißerer Eindruck entsteht.

5.    Karbonisieren: 

       Zellulosehaltige Bestandteile (Kletten, Heu- und Strohreste) die sich in der Wolle befinden, werden durch                    Schwefelsäure "verkohlt" und durch ausblasen entfernt.

6.    Thermofixieren: 

        Eine der wichtigsten Vorbehandlungen bei thermoplastischen Chemiefasern (Polyester etc.). Es werden                        Spannungen im Inneren der Faser, die bei der Garn- und Flächenherstellung entstanden sind, ausgeglichen. Die          textilen Flächen werden formstabil und laufen nicht ein.

7.    Entwässern und Trocknen:

       Die Ware wird durch Schleudern, Absaugen oder Abquetschen entwässert und danach getrocknet.

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Färben und Drucken gehört zur Textilveredlung. Aufgrund des sehr umfangreichen Themas wird hier nicht weiter auf den Bereich eingegangen. Falls doch mehr Interesse besteht, könnte dieses Thema in Zukunft hier erweitert werden.

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 Appretur (von franz.: appreter= fertig machen)

Durch Appretur wird das Textilgut für den gewünschten Verwendungszweck zugerichtet. Es handelt sich um eine Endbehandlung, in der folgende Ziele erreicht werden sollen:

·       Verbesserung von Griff, Aussehen, Geruch

·       gestalten der Oberfläche (Rauen, Glätten, Prägen)

·       verbessern der Trageeigenschaften (Fleckenschutz, Knitterarmut)

·       verbessern der Pflegeeigenschaften (Bügelfreiheit, Einlaufsicherheit)

·       besondere Eigenschaften erzielen (Flammfestigkeit, Filzfreiheit)

·       Änderung der Funktion (wasserabweisend, atmungsaktiv)

Mechanische Appretur:

1.  Rauen: 

     Die textile Fläche wird in der Raumaschine durch Metallkratzen (ein mit Metallhäkchen besetztes Teil) aufgeraut. Die Metallhäkchen ziehen einzelne Fasern aus dem Gewebegrund an die Oberfläche ohne von der Ware getrennt zu werden. Es entsteht ein Faserflor, der die Ware weich und flauschig macht, und durch den entstandenen höheren Lufteinschluss das Wärmerückhaltevermögen steigert. Handelsbezeichnungen: Velours, Flanell

2.  Ratinieren: 

     Der beim Rauen entstandene Faserflor wird durch Kunststoffplatten mustermäßig zusammengeschoben und verdichtet. Voraussetzung sind dichte Rauwaren aus Wolle. Handelsbez.: Ratiné

3.  Schmirgeln, Schleifen: 

     Die textile Fläche wird an, mit Schmirgelpapier besetzten, Walzen vorbeigeführt. Die Faseroberfläche wird durch das Schmirgeln leicht aufgeschürft, wodurch der Griff samtig, pfirsichhautartig wird.  Außer Wolle können alle anderen Faserstoffe geschmirgelt werden. Vom Schleifen spricht man wenn durch feines Schmirgelpapier eine künstliche Alterung erzeugt werden soll, um die Ware getragen aussehen zu lassen (z.B. Jeansstoffe). z.B. Toile, Duvetine

4.  Scheren: 

     Bei der Gleichschur wird die Florhöhe eines vorher gerauten Gewebes auf eine gleichmäßige Länge gebracht. z.B. Velours, Samt, Nicki. Durch die Kahlschur werden abstehende Faserenden abgeschnitten, um ein klares Bindungsbild zu erhalten. z.B. Gabadine 

Mechanisch- thermische Appretur:

1.  Dekatieren: 

     Eine Dampfbehandlung von Wollstoffen wodurch sich die Ware entspannt (Verhindern des Einlaufens) und entstandener Pressglanz entfernt wird. Knitterbeständigkeit und eine Verbesserung des Griffs sind die Folge. Dekatierte Stoffe sind nadelfertig.

2.  Walken und Anstoßen: 

     Wollstoffe können durch Einwirkung von Chemikalien, Wärme, Feuchtigkeit und Bewegung so verfilzt werden, dass die Bindung fast oder nicht mehr zu erkennen ist. Die Reiß-, Scheuer- und Wetterfestigkeit werden erhöht. Beim sanften Walken ( Anstoßen) bleibt das Bindungsbild gut erkennbar. Hochwertige Kammgarnflanelle werden angestoßen.

3.  Kalandern: 

     Das Textilgut wird zwischen beheizten, druckausübenden Walzen hindurchgeführt, wodurch die Ware geglättet wird, Glanz entsteht oder Effekte erzielt werden können. Arten des Kalanderns sind:

·       Gaufrieren: Durch gravierte Walzen wird ein Prägemuster auf der Ware erzeugt. Name: Gaufré

·       Moirieren: Durch das Gegeneinanderverschieben von doppelt gelegter Ripsware entsteht eine wellenförmige              Maserung. Name: Moiré

·       Chinzen: Baumwollgewebe wird zwischen einer weichen und einer beheizten Walze geführt, wobei die Walzen            unterschiedliche Geschwindigkeit haben. Durch den reibenden Druck entsteht ein speckig wirkender Glanz. Name:    Chintz     

4.  Krumpfen: 

     Die durch den Herstellungsprozess entstandenen Spannungen und die Neigung der zellulosischen Fasern zur Quellung lassen die Ware bei der späteren Nassbehandlung einlaufen. Das Krumpfen ist ein kontrollierter Schrumpfprozess, der meist bei Baumwoll- oder Baumwollmischgeweben angewendet wird, um das spätere Einlaufen der Ware zu unterbinden. Markenzeichen: Z.B: Sanforisieren®

5.  Plissieren:

      Das Einpressen von schmalen Falten (Plisseefalten) in Wolle oder Synthesefasern mit Hilfe von Formen und   Erhitzungskammern.

Nassappretur:

Eigenschaften von Textilien werden durch chemische Verfahren verändert oder verbessert.

Hochveredlung: 

Baumwolle, Viskose und Leinen können so ausgerüstet werden, dass das Knitterverhalten reduziert wird. Auf Bügeln kann teilweise verzichtet werden. Färbungen und Drucke sowie Glanz- und Prägeeffekte werden waschbeständig.

Transparentieren: 

Durch das abwechselnde Behandeln mit Lauge und Säure wird Baumwollbatist glasig und steif. z.B.: Glasbatist, Organdy

Flammfest- Ausrüstung: 

Durch Aufbringen von Phosphor-Stickstoff- Verbindungen werden Textilien schwer entflammbar oder nicht brennbar.

Filzfrei- Ausrüstung: 

Die Schuppenenden, die bei Wolle für das Verfilzen verantwortlich sind, werden durch Chemikalien abgeflacht. Die behandelte Wolle ist nun in der Waschmaschine waschbar.

Mottenschutz- Ausrüstung: 

Insektizide werden in den Stoff aus Wolle oder feinen Tierhaaren eingebracht. Die Insekten meiden nun den Stoff oder sterben bei Berührung mit dem Stoff.

Antipilling- Ausrüstung: 

Textilien aus Synthesefasern und deren Mischungen neigen zur Pillingbildung. Durch das Ausrüsten mit filmbildenden Substanzen werden die Einzelfasern verklebt und das Entstehen von Faserknötchen unterbunden.

Fleckschutz- Ausrüstung: 

Durch Imprägnieren wird die Oberfläche des Textils uneben. Flüssigkeiten und Schmutzpartikel haben weniger Kontaktfläche zum Textil und können dadurch nicht anhaften. Markennamen z.B.: Scotchgard, Permalose, Easy- wash, Wash-Quick, Dinner-Star

Antistatik- Ausrüstung: 

Gewebe, Maschenstoffe oder Teppiche, die zu elektrostatischer Aufladung neigen, werden mit Chemikalien behandelt, die einen Film auf der Faser bilden. Die elektrische Aufladung wird verhindert, das Anschmutzen jedoch erhöht. 

Funktionelle- Ausrüstungen: 

Die Dehnungseigenschaften bei Sportbekleidung wird verbessert.

Es gibt noch eine Vielzahl spezieller Ausrüstungsverfahren für verschiedene Einsatzmöglichkeiten. Sie werden hier nur kurz erwähnt.

·       Griff-Ausrüstung: Weiche, Glätte, Elastizität wiedergeben

·       Hydrophobierung: Wasserabweisung z.B. bei Regen oder Schnee

·       Hydrophilierung: Schweiß wird schneller an die Textilaußenseite befördert

·       Antibakterielle- Ausrüstung: Arbeitskleidung, Sportbekleidung, Unterwäsche

·       Wellness- Ausrüstung: Aloe-Vera-Extrakt, Vitamin E, Seidenprotein oder Bienenwachs gelten als hautpflegend