Wolle

Wolle ist eine tierische Faser, die durch die Schur von Wollkleid tragenden Tieren gewonnen wird. Am häufigsten werden Schafe für Wolle gezüchtet. Schurwolle ist die vom gesunden, lebenden Tier gewonnene wertvollste Wolle. Die Wollqualität hängt von der Schafrasse, vom Zeitpunkt der Schur und des Areals am gewonnenen Wollvlies ab.  Die Wolle an Schulter, Hals und Rücken ist am wertvollsten und wird gesondert sortiert.

Unterschieden wird zwischen:

·       Merinowollen (Feinwollen): gestrickte oder gewebte feine Oberbekleidung, Hosen

                         -stark gekräuselt und fein

                         -weich und relativ glanzarm 

         

·       Crossbredwollen (Mittelwollen): gröbere, sportliche, strapazierfähige Bekleidung  

                          -liegen zwischen den Eigenschaften von Fein-und Grobwollen

                                                             

·       Cheviotwollen (Grobwollen):  Teppiche, rustikale Möbelbezugsstoffe       

                           -wenig gekräuselt und grob   

                           -hart und sehr glänzend

Wie bei den unterschiedlichen Wollarten erkennbar ist, spielt die Kräuselung der Faser eine wichtige Rolle.

Durch die dreidimensional Kräuselung sind Gewebe und Garne locker und bauschfähig. Dies hat zur Folge, dass Luft eingeschlossen werden kann und somit das Wärmerückhaltevermögen erhöht wird. Die Kräuselung erhöht zudem die Elastizität.

Die Wollfaser besitzt eine Schuppenschicht, die maßgeblich die Eigenschaft der Wollfaser beeinflusst und Vor- und Nachteile hat:

Die Außenmembran (Epicuticula) ist ein dünnes Häutchen mit Spaltöffnungen. Diese Membran weist Wasser in Tropfenform bis zu einer bestimmten Menge ab. Dieser Vorteil macht Wolle auch für Mäntel und andere Outdoorbekleidung interessant.

Die Membran lässt wiederum Wasserdampf in die Fasern eindringen, was die sehr guten Dressier-Bügeleigenschaften der Wolle ausmacht.

Die äußere Schuppenschicht besteht aus überlappenden Schuppenzellen und schützt die Faser vor äußeren Einflüssen. Dieser Aufbau macht Wolleim Zusammenhang mit Feuchtigkeit, Wärme und Bewegung filzbar. Dies ist bei feinen Wollgeweben nicht unbedingt gewünscht. Durch diese Eigenschaft ist die Pflege von Wolle erschwert (waschen in der Maschine), aber nicht ausgeschlossen.

Die Filzbarkeit von Wolle kann aber auch gewünscht sein, um feste, dichte Gewebe herzustellen, die ideal für die Verwendung von Winterkleidung sind.

Vorteile von Textilien aus Wolle:

  • sehr hohe Feuchtigkeitsaufnahme bis zu 17% des Eigengewichtes, bei hoher Luftfeuchtigkeit bis zu 30%, ohne dass sich die Faser feucht anfühlt
  • Abperleffekt bei tropfenförmiger Nässe (bis zu einem bestimmten Punkt)
  • geringe Knitterneigung und gute Erholung bei Dampfeinwirkung
  • sehr gute Formbarkeit durch Feuchtigkeit, Hitze und Druck (Bügelfalte)
  • isoliert und wärmt (durch walken(filzen) noch zu erhöhen) 
  • schwer entflammbar
  • Wolle kann Schweiß chemisch binden und neutralisieren, getragene Kleidung kann durch lüften mehrmals getragen werden, ohne gereinigt/gewaschen zu werden
  • Wolle nimmt kaum Schmutz auf

Nachteile von Textilien aus Wolle:

  • sehr hohe Dehnung grade im nassen Zustand, deshalb sollten Wolltextilien im liegen getrocknet werden um Verformungen zu vermeiden
  • geringe Reißfestigkeit (im nassen Zustand noch geringer)
  • mäßige Scheuerfestigkeit
  • sehr schlechte Beständigkeit gegenüber Laugen. Vorsicht beim Waschen, falls gewaschen wird, nur mit Wollwaschmittel im Wollwaschgang (wenig schleudern) sonst besteht die Gefahr des Verfillzens 
  • Wolle ist anfällig für Motten

Wolle kann ausgerüstet werden, indem mit verschiedenen Verfahren die ungünstigen Eigenschaften verbessert werden z.B. Behandlung gegen Mottenfraß, Filzfreiausrüstung, einlaufsicher Ausrüstung, Fleckenschutz etc.

 

Umwelt:

Leider kommt es wie auch in anderen Nutztierbetrieben immer wieder dazu, dass Tiere schlecht behandelt/ misshandelt werden. Durch die massive Haltung der Tiere (alleine in Australien 100Mio Schafe) kommt es zu Landschäden und zu enormen Methanausstoß. Die Fäkalien der Tiere und der Einsatz von Chemikalien verschmutzen das Trinkwasser.

Auch Wolle ist als "Bioprodukt" erhältlich. Die Tierhaltung und die Umweltbelastungen werden nach strengen Vorschriften kontrolliert. Zumindest sollte es so sein.

Faserprüfung: brodelnd, kleine flamme, verlöschend, riecht nach verbrannten Haaren.